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Kurze Reise, vorwärts und zurück

Über Pfingsten ergab sich spontan die Möglichkeit für eine kleine Zeitreise.
Da konnte ich natürlich schlecht Nein sagen.
Also packte ich mich auf die Kawa und fuhr um die 200 km in Richtung OstNordOst.
Dort traf ich auf meine Nymphe.
Aber nicht, wie zuerst vereinbart, vor der Kirche, sondern beim Friedhof am See.
Sie unterhielt sich lange mit mir, wohl um sicherzugehen, dass mir bei der bevorstehenden Reise kein Leid geschah.
Wahrscheinlich war sie auch deswegen so blutjung.
Damit wollten sie mich wohl im Vorfeld auf die Probe stellen.

Nachdem ich aber unter Aufbietung meines ganzen Charmes und relativ furchtlos bewiesen hatte, für diese Unternehmung gewappnet zu sein, entlies mich die äusserst sympathische, hübsche und gescheite Nymphe und versprach, sich, wenn möglich, anderntags nochmal mit mir zu treffen.
Das machte mir Hoffnung.

Ich machte mich also auf den Weg, nicht wissend, was ich suchte, ausser einem Nachtquartier.
An einem nahen Campingplatz fuhr ich zunächst vorbei.
Ich konnte nicht glauben, dass es so einfach wäre.
Aber nach etlichen offensichtlich unergiebigen Kilometern in der Pampa drehte ich um.
Schon als ich dann den Hadeswächter sah, der 10 Minuten nach meinem Klingeln auftauchte und erst einmal wortlos in der Rezeption verschwand, wusste ich, dass ich hier richtig war.
Dieser Ort war wohl in der ganzen Zeit seit dem Ende der PRL, sprich: dem Ende des Kommunismus, in einem schwarzen Loch verschwunden gewesen und tauchte nur tageweise für Zeitreisende wie mich auf.
Denn hier hatte sich nichts verändert seit den Tagen, als ich selber als Stundentski meine ersten Nächte in Polen verbracht hatte, also quasi vor Jahrhunderten.
Die Inventurliste in der mir zugewiesenen Hütte bewies, dass hier alles mindestens 22 Jahre alt war. Alles.

Sogar dass ich am nächsten Tag für die Übernachtung und 2 Stunden Kanufahren nur zwei Drittel des eh geringen Preises schwarz bezahlte war gleich geblieben: 30 PLN, also achtfünfundneunzig zusammen.
Nun gut, damals kostete es noch Hunderte von Zloty, hier zu übernachten, aber die waren dafür noch ein bisschen weniger wert als heute.

Die Nymphe hatte sich übrigens noch am selben Abend meiner erbarmt und über einer Flasche mittelmässigen Weissweins und zig Mückenstichen versucht, mich die Strapazen der bevorstehenden Reise vergessen zu machen.
Am Rand eines Fussballplatzes haben wir sehr viel gescherzt und gelacht, bevor ein paar Fledermäuse sie daran erinnerten, dass es für ein göttliches Geschöpf nicht schicklich war, den Abend in Gesellschaft eines Zeitreisenden zu weit hinauszudehnen.

Ich ging früh zu Bett und überliess mich den Wächtern der polnischen Nacht.
Keine besonderen Vorkomnisse.

Am nächsten Tag lieh ich besagtes Kanu von einem weiteren Faktotum des verwunschenen Ortes, ruderte planlos und entspannt über den See und veranstaltete ein Wettrennen mit einer Ringelnatter, die ich mir ziemlich angepisst vorstellte, als sie erkennen musste, dass ich doch schneller war und sie wohl oder übel unter meinem Kanu durchtauchen musste. Hehehe.

Zum Frühstück gab es Brötchen mit einer Art Frühstücksfleisch, das den Namen "Englisches Gulasch" (wie von Engel, nicht England!) trug und irgendwann später fuhr ich nach Hause.
Ich fühlte mich ein bisschen wie der Stalker.
Nur jünger und weniger verstrahlt.

Zur Galerie meines Ausflugs.

PS: Selbstverständlich hab' ich die Nymphe ein bisschen Moped fahren lassen.
Als kleine Rückversicherung für die bevorstehende Nacht und weil sie unbedingt lernen wollte, schneller zu sein, als die anderen Nymphen und Pane.
Unabhängig von der ganzen Zeitreiserei hat das natürlich auch einen Heidenspass gemacht.

PPS: Von den Geistern konnte ich keine Fotos machen, bzw. sie liessen sich mit den Mitteln meiner Handycam nicht festhalten.
Die Nymphe konnte ich dank der höheren Voodoo-Werte meines Sanyo-Zauberknochens jedoch ablichten.
Ich hoffe, dass ich dadurch für sie und mich kein Unheil heraufbeschwört habe.

Comments

masteremit
21. Mai 2008 06:18 (UTC)
Och schön. Das klingt nach einem tollen Pfingsten. Bin ich direkt ein wenig neidisch.
ojkolego
21. Mai 2008 06:28 (UTC)
War super, danke!
Which reminds me: wir wollten auch mal was unternehmen.
Sollten wer vielleicht mal tun… ;)