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Grenzwertig

Der ehrenwehrte Schockwellenreiter berichtete es zwar auch schon, aber ich glaube, die Verbreitung der Nachricht hier schadet der Sache nicht:
Bloggen birgt - genau wie Rauchen - schwere Riskiken.
Um es ganz ohne Ironie zu formulieren: Hossein Derakhshan (aka Hoder) beschrieb vor ein paar Tagen in seinem Blog, wie er wegen Google von Kanada nicht in die USA einreisen durfte.


Offensichtlich behagte es den Grenzbehörden nicht, dass ein Iraner mit kanadischem Pass nach NY auf eine Blogger-Konferenz wollte.
Er schreibt: "I had no idea googling people at the border had become a routine."
Die Grenzer nutzen also kurzerhand die Suchmaschine, um ihm Fallen zu stellen.
Und die fanden sie auch, in Form einer Adress-Angabe im Blog (da stand "New York", das riecht ja förmlich nach illegaler Einwanderung).
Und in Form eines Abo-Adressaufkleber auf einer der mitgeführten Newsweek-Ausgaben.


Die Details zum Fall will ich gar nicht weiter beleuchten.
Aber für alle die da draussen, die die Offenlegung aller persönlichen Daten im Internet für eine gute Idee halten, ist das wohl ein leuchtendes Beispiel dafür, dass das nicht eine so wirklich gute Idee ist.

Denn Behörden kennen die Ironie, mit der wir alle Tag für Tag wie selbstverständlich miteinander umgehen a priori NICHT.
Grenzer und Polizisten schon zweimal nicht.
Dafür gibt es ja auch Gründe.


Aber die Moral von dieser Geschicht kann doch nur sein, dass man seine Identität im Internet nicht genug schätzen kann, will man nicht eines Tages unverhofft durch ein Versehen oder eine Verwechslung in die Räder beliebiger Gesetzesmühlen geraten.
Es ist mir selber schon oft genug passiert, um zu wissen, wo das hinführen kann.
Doch dazu ein andermal.


Ich meine, dass genauso wie GPG oder PGP im Emailverkehr sinnvoll sind, auch die Verschleierung der Identität in Weblogs und Journalen eher zum guten Ton gehören sollte.
Und nicht als Feigheit oder als Hürde im falsch verstandenen Kreuzzug gegen Trolle angeführt werden.


Aber wie bei der Verschlüsselung wird sich wieder herausstellen, dass es leider zu viele Schafe gibt.
Wie schön für Schäfer und Wölfe.