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Tag 3

Da es Freitag nacht dauernd genieselt hatte und ich also lieber nach Berlin zurückgefahren war, als mich inmitten vorwiegend besoffener Festivalbesucher langsam aber sicher von den Tränen eines traurigen Gottes in meinem Schlafsack durchweichen zu lassen, und erst nach vier zuhause endlich mein Bett gefunden hatte, verwunderte es mich nicht sehr, dass mich am Samstag nicht gerade besonders schmeichelhafte Rückenschmerzen plagten.
Ein Erholungstag war also angesagt.
Umso mehr freute es mich, als mir mein Kreuz schon im Laufe des Samstagabends signalisierte, dass alles in Butter sei.
Nicht ganz buchstäblich, aber du weisst, was ich meine.

Der Plan für Sonntag war demnach, sich spätvormittags in die Landschaft zu packen, es bei der verlockenden Gelegenheit nochmal mit dem Angeln zu versuchen und dann gemütlich zu den 3 Abendkonzerten in Kostrzyn einzutrudeln.
Die übliche Trödelei und der jähe Geistesblitz: "Was mach' ich mit dem Fisch, falls ich einen gefangen habe, in der Sonnenhitze?" sorgten dafür, dass es dann doch eher Nachmittag wurde, bis ich lostuckerte. Ohne Angel.
Die erste Band war dann gleich der offensichtliche Publikumsliebling: die Acid Drinkers, von den Fans liebevoll als "Kwasożłobcy" übersetzt.
Hier bewahrheitete sich für mich die alte Weisheit vom schlechten Massengeschmack.
Ich will jetzt deren Heavy Metal gar nicht schlecht machen.
ABER. Was soll ich von einer Band halten, deren Sänger ein Kommunikationsspektrum hat, das aus den Wörtern "Pasuje" (Passt's?) und "Our next song is xxx from our album yyy!" (in English!!) besteht und die ihren Gig mit "Ace of Spades" von Motörhead beginnt und als letzte Zugabe ein "Smoke on the Water" bringt, bei dessen Textwiedergabe offensichtlich nur Wert darauf gelegt worden war, dass das Wort "Montreux" deutlich aus dem Magma herausragte...
Das Publikum war jedenfalls begeistert, so wie ich abgeturnt.

Meine Hoffnungen ruhten nun auf Clawfinger.
Und die wurden nur übertroffen. Gottseidank.
Ganz grossartige Künstler. "Jederzeit wieder", wie man bei eBay sagen würde.
Jedenfalls versuche ich es gar nicht erst, Musik und Stimmung zu beschreiben. Aber immerhin schien auch dem Publikum sehr schnell zu dämmern, dass dies hier "the real thing" war.

Während der Umbaupause schlenderte ich wieder ein wenig übers Gelände, zu den Krshnas und Buddhisten und es war wie letztes Jahr eine Freude für Augen und Sinne, wie entspannt und exotisch es dort zuging.
Solchen offenen Umgang mit europafremden Einflüssen - um es mal so zu nennen - erwarten Westeuropäer ja meist von und in Polen zuletzt.
Insofern ist Przystanek Woodstock eine hervorragende Aufklärungsplattform.
Nicht dass ich jetzt zum Fan von Joga und Esoterik mutieren würde.
Aber leider kann ich mir keine deutsche Veranstaltung vorstellen, die sowohl Anhänger und Zaungäste fernöstlicher Religionen/Kulturen (ganz ohne Dalai Lama!) als auch einen Ex-Finanzminister für einen offenen Workshop einfach so auf dem Programm haben könnte, und das jenseits aller Sensationen, sondern als völlige Selbstverständlichkeit. Ebenso finde ich es grossartig, dass es auf dem ganzen Terrain keine einzige Eintrittskontrolle gibt.
Niemand prüft irgendwas, es ist wie wenn man zu einem riesigen Picknick geht. Natürlich sind Bullen und Militär um und im Gelände. Aber sie halten sich echt im Hintergrund.
UND man wird darauf hingewiesen, dass man Aufnahmen von allem ganz selbstverständlich machen darf!
Für all das drücke ich sogar ein Auge darüber zu, dass Woodstock mittlerweile sicher zum grössten Bier-Rockfestival Europas mutiert ist und die Besoffenen überall sind. Die konkurrenzlose Sponsorbrauerei hatte nicht einen einzigen Zapfhahn mit Alkfreiem am Start, wählen konnte der sich legitimierende volljährige Alkoholiker in spe allein zwischen "Dose" oder "Fass".
Bei einem Stückpreis von knapp einem Euro war einem nach einiger Zeit diese Wahl wohl ziemlich egal.
Und vieles Andere auch.
Nun ja. Immerhin sah ich keine Gewalt, nur vorzeitige Schläfer.
Und Leute, die allen Ernstes ihre vollen Dosen Bier an den/die Nächststehenden verschenkten, weil sie nicht mehr konnten, wollten, whatever. Es ist eben doch ein Hippie-Fest, dachte ich und freute mich.

Dann kam mein sehnlich erwartetes Highlight, eine Rentnerband namens The Stranglers, von denen ich ja hier bereits schrieb.
Sie spielten auch ganz nett.
Aber die dauernden stage diver oder wie man die nennt, nervten tierisch. Echt ne Seuche. Wenn die wenigstens wieder aufhören könnten.
Doch nein, dauernd kommt neben einem ne andere Schwalbe runter, bzw. versucht sich noch ein paar Meter weiter über den Köpfen duchzurudern.
Während Andere versuchen, Musik zu hören.
Und kaum sind sie direkt neben dir runtergesemmelt, raffen sie sich auf, rempeln sich vor oder betteln direkt, man möge sie wieder hochstemmen.
Na danke aber auch. Leute, Ihr seid ignorante Arschlöcher, sowohl gegenüber der Bänd als auch gegenüber denjenigen, die deren Musik gerne geniessen würden und nicht wirklich hierher gekommen sind, um Zeugen eurer selbstbegeisterten Hormonausstösse zu werden.
Wahrscheinlich hört ihr euch die Musik dann als bootleg zuhause auf Klo an und findet das super extra toll.
Mir wär das peinlich.
Aber nun ja, wie sagt der Friese: "Wat dem eenen sin Uhl is dem andern sin Nachtigall" oder so ähnlich.
Die Stranglers kamen dann auch irgendwann zum Ende.
Und fanden aber das Zugaben-Erschleichen des Veranstalters, der kaum noch eine Stimme hatte nach 3 Tagen Bands-Ansagerei "highly unorthodox behaviour" in bester Britenmanier.
Und drum war ich einerseits verärgert, dass sie als letzte Zugabe nurmehr ein zweites Mal "No more Heroes" spielten.
Andererseits ist ja gerade dieser Songtitel so schön selbstreferenziell, dass ich mir im Nachhinein dachte: die dürfen das.
Ja. So war das dieses Jahr.
Vorhin habe ich mir mein Ticket fürs SZIN-Festival Ende August in Szeged gekauft! 3 Tage volle Pulle Mukke! Weiter, weiter… :)

Zur Galerie mit ein paar bescheidenen Woodstock-Schnappschüssen meinerseits geht's hier lang.

Comments

( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
ramona_ramona
6. Aug 2008 09:49 (UTC)
fuck yeah! dotarlam do konca :D

Tlumaczylam w ciagu pol godziny, o, jakie sukcesy robie :) Wiec. Szczegolnie mi sie podobal kawalek o yodze i ekzotyce Woodstock, o beczkach i puszkach piwa (smialam sie, chociaz w sumie jest to smutne) i o "stage diver". czyli podobao mi sie wszystko, bo na ile moge sadzic - Du schreibst deutsch nicht gorzej(?), als auf polnisch.a po polsku piszesz swietnie ;)

Postcriptum: "Angel" w jezyku niemieckim to - wedka, a w jezyku rosyjskim - aniol. w tym tez widze znak.
ojkolego
6. Aug 2008 10:00 (UTC)
Wielkie dzieki!! Ale masz talent niesamowity!!! :)
Slowo "Angel" tu tez kazdy na pewno wpierw czyta jako angielski "angel", a rzeczywiscie mi sie ta dwuznacznosc podobala i slusznie zainterpretowalas to jako uklon w Twoja strone... ;)
masteremit
15. Aug 2008 17:39 (UTC)
*SCHNIIIIEF* *SCHNIEFSCHNIEFSCHNIEF*
ojkolego
22. Aug 2008 15:44 (UTC)
Nicht schniefen, wir kommen auch noch zu Unserem! YEAH!
( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )